Musik-/Theaterstücke

Herz­li­ch Will­kom­men in mei­ner Stü­cke-Gale­rie! Hier fin­dest du mei­ne Büh­nen­wer­ke der letz­ten Jah­re. Begon­nen hat alles mit den Live-Hör­spie­len, in denen ich mei­ne Lust am Dia­lo­ge schrei­ben mit der Spiel­freu­de der Akteu­re ver­bun­den habe. Obers­tes Gebot: alles außer Lan­ge­wei­le. Dann nutz­te ich das For­mat, um mit den anar­chi­schen Mit­teln bis hin zum Kla­mauk, poli­ti­sch aktu­el­le Über­for­de­run­gen auf­zu­ar­bei­ten und die­se mit viel Recher­che­auf­wand, Exper­ten-Inter­views und ste­ten Aktua­li­sie­run­gen für uns zu lösen — aber auch das Live-Hör­spiel hat Gren­zen… Auch für eini­ge spä­te­re Stü­cke stand die Rat­lo­sig­keit über und der Zwei­fel am gesun­den Men­schen­ver­stand Pate — und der Humor als Mit­tel, um die­sem zu begeg­nen. Wenn wir über uns lachen kön­nen, wer­den wir erwach­sen, las ich neu­li­ch. Aber ich schlie­ße nicht aus, dass ich es nicht auch mit dem Wei­nen pro­bie­ren wer­de.
Neben den Wer­ken, die es bis hier­hin geschafft haben, gibt es natür­li­ch vie­le wei­te­re Pro­jek­te, die gra­de Ent­ste­hen, die als Expo­sé kur­sie­ren, die auf Auf­ar­bei­tung war­ten, die noch nicht ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen — wenn es dich inter­es­siert, wor­an ich noch so arbei­te: kon­tak­tie­ren Sie mich gern.

 

D E R _ F R E I S C H Ü T Z. Uraufführung
 
Schau­spiel mit Lie­dern
von Cars­ten Gol­be­ck nach der Oper von Carl Maria von Weber und Johann Fried­rich Kind

Der Dreißigjährige Krieg ist vor­bei. Max hat aus Lie­be zu Aga­the zur Jägerei gewech­selt. Doch sein unzuverlässiges Jagdglück lässt ihn und Aga­the ver­zwei­feln, da er – so will es der Brauch – nur einen ein­zi­gen „Pro­be­schuss“ zu- gestan­den bekommt, um sowohl Aga­thes Hand als auch die Erbförsterei zu erhal­ten, die ihn vor einem Leben in Armut bewah­ren würde. Aga­the, die ohnmächtig ihrem Schick­sal erge­ben ist, wird zuneh­mend von der Angst vor einer möglichen Stra­fe Got­tes geplagt. Und Kas­par, der sich im Krieg mit dem Bösen ein­ge­las­sen hat, muss die­sem bin­nen 24 Stun­den ein Opfer brin­gen, wenn er nicht selbst vom Teu­fel geholt wer­den will.
Also verführt er den ver­zwei­fel­ten Max dazu, sich eben­falls mit dem Bösen ein­zu­las­sen. Zusam­men machen sie sich auf zur ver­ru­fe­nen Wolfs­schlucht, wo die Frei­ku­geln gegos­sen wer­den sol­len. Aga­the ahnt im Traum die nahen­de Kata­stro­phe.

Die Geschich­te des Freischütz’ geht auf Pro­to­kol­le eines Pro­zes­ses von 1710 zurück: Vor Gericht stand ein jun­ger Jäger, der sich mit dem Teu­fel ein­ge­las­sen haben soll, um sei­ne Kugeln auf das erwünschte Ziel zu len­ken. Die Neu­fas­sung des Stof­fes erzählt vor allem eine Geschich­te über Unfrei­heit und Angst als Auslöser einer Tragödie.

Pre­mie­re: 10. März 2018, Schau­spiel­haus
Regie & Bühne: Mar­cel Kel­ler
Musik­dra­ma­tur­gie: Bernd Feucht­ner
Kostüme: Kat­rin Busching
Musi­ka­li­sche Lei­tung: Edgar Müller-Lechermann
 

D R E I  M O R D E , K Ü C H E , B A D

caste_katja02eine Far­ce von Cars­ten Gol­be­ck.
Wenn die Woh­nungs­su­che anfängt, hört der Spaß auf.
Miet­woh­nun­gen mutie­ren zu „Beton­gold“, Wohn­vier­tel zu ren­di­te­ori­en­tier­ten Kapi­tal­in­ves­ti­tio­nen glo­bal ope­rie­ren­der Fonds.
Uwe und Ire­ne ergeht es nicht anders. Ihr oller Wohn­blo­ck wird nach 25 Jah­ren luxus­sa­niert, sprich: „aufs Dach ne Pent­house­woh­nung, unter den Kel­ler ne Park­ga­ra­ge, vor­ne Bal­ko­ne, nach hin­ten raus die Miet­erhö­hung.“ Also will Gen­tri­fi­zie­rungs­op­fer Ire­ne ihren Traum ver­wirk­li­chen und zen­trums­nah in einer Eigen­tums­woh­nung ihr neu­es Leben als Feng Shui Bera­te­rin begin­nen — wäh­rend ihr Mann Uwe sei­ner Früh­ren­te ent­ge­gen­däm­mert. Frü­her, ja, frü­her war er ein ultra­lin­ker Frei­den­ker, der von einer besitz­lo­sen und gerech­ten Zukunft träum­te. Das mit dem ‚besitz­los’ ist das ein­zi­ge, was ihm aus der Zeit geblie­ben ist…
Doch nun sind sie hier: in einer unre­no­vier­ten, extrem maro­den „zen­trums­na­hen Drei­zim­mer­woh­nung“ – für die Ire­ne ihr gesam­tes Erspar­tes hin­blät­ter­te, um wenigs­tens den Vor­kaufs­ver­trag zu ergat­tern. Kaum haben sie ihr neu­es Zuhau­se nach allen Regeln des Feng Shui grund­ger­ei­nigt, betre­ten Phil­ipp und Jana die­sel­be, aus­ge­stat­tet mit einem noch teu­re­ren Vor­kaufs­ver­trag. Phil­ipp ist ein jun­ger, wohl­ha­ben­der Erbe und Gen­tri­fi­zie­rungs­tä­ter und plant das Wohn­vier­tel in eine hoch­ex­klu­si­ve Gated Com­mu­ni­ty zu ver­wan­deln — ein Traum für asia­ti­sche Inves­to­ren. Und gen­au die­se wer­den hier von Phil­ipp erwar­tet. Da beginnt sogar Uwes ein­ge­schla­fe­nes Bür­ger­recht­ler­herz wie­der zu erwa­chen. Als sie dann noch über eine Lei­che stol­pern, die eben­falls einen Kauf­ver­trag in der Tasche hat, wird auch Jana klar, dass der Woh­nungs­markt kein Pony­hof ist. Nach­dem sämt­li­che halb­wegs zivi­li­sier­ten Schlich­tungs­ver­su­che schei­tern und auch ein gesun­ge­ner Volks­ent­scheid aus dem Ruder läuft, däm­mert es den Vie­ren, dass gro­ße Visio­nen ihre Opfer for­dern…
Urauf­füh­rung am 27.7.16 im Topp­ler Thea­ter, Rothen­burg ob der Tau­ber

Pres­se
Dob­b­lers Stern­stun­de
Cars­ten Gol­be­ck – Jun­ge, Jun­ge, der kann Stü­cke schrei­ben! Man denkt flüch­tig an Oscar Wil­de, an Yas­mi­na Reza, an Patrick Süs­kind, aber übrig bleibt Gol­be­ck. Ein voll­kom­me­ner Guss aus per­fekt getim­tem Hand­lungs­ab­lauf mit dem hin­ter­grün­di­gen Wet­ter­leuch­ten eines herz­haft grim­mi­gen, wahr­heits­lie­ben­den Humors zeich­net das schwar­ze Lust­spiel aus um Men­schen im Kampf um eine Woh­nung.
Ein bewun­derns­wer­tes Kunst­stück, wie die aktu­el­le Mise­re auf dem Immo­bi­li­en­markt als sati­ri­sches Motiv gleich­sam in der Hori­zon­ta­len glän­zend unter­hält, dabei aber ver­ti­kal ins Klam­me zielt. Fazit: Stern­stun­de im TT.
bhi, Frän­ki­scher Anzei­ger

Laut­star­kes Polit-Bou­le­vard mit knal­li­gen Poin­ten
Bei Drei Mor­de, Küche, Bad stimmt alles. Der Text, der Ort, die Insze­nie­rung und das Ensem­ble. Das Stück sieht aus, als hät­te Yas­mi­na Reza und Dario Fo gemein­sam eine Komö­die schrei­ben wol­len, aber Cars­ten Gol­be­ck ihnen das abge­nom­men. Soll hei­ßen: Gol­be­ck ver­schmilzt abgrün­di­ge Milieu-Ana­ly­se im Modus von gut­bür­ger­li­chen Ver­bal­du­el­len mit lust­voll-knal­li­ger Sati­re. Oder kür­zer gesagt: Kon­ver­sa­ti­ons­ko­mö­die trifft Volks­thea­ter, Kaba­rett und Come­dy.
Tho­mas Wir­th, Frän­ki­sche Lan­des­zei­tung

Das Stück wird ver­tre­ten von toll­kühn-media

Nach „oben blei­ben!“ ist „Drei Mor­de, Küche, Bad“ übri­gens das zwei­te Pro­jekt von
dein.humor.braucht.dich — wohin­ter sich in ers­ter Linie die Regis­seu­rin und Stück­ent­wick­le­rin Kat­ja Wolff und ich ver­ber­gen. Wenn einem zuneh­mend regel­mä­ßi­ger das Lachen ver­geht und die ver­wi­ckel­ten Zusam­men­hän­ge und mör­de­ri­schen Neu­ig­kei­ten jeden gesun­den Men­schen­ver­stand über­for­dern, ent­wi­ckeln und ver­dau­en wir solan­ge einen gesell­schafts­po­li­ti­sch rele­van­ten Stoff, bis wir wie­der lachen kön­nen. Erst dann wird geschrie­ben.

 

D E R  S C H W A R Z E  O B E L I S K

Von Erich Maria Remar­que.
Ein berüh­ren­der und viel­schich­ti­ger Roman.„Der Roman einer Gene­ra­ti­on zwi­schen den Krie­gen: das Infla­ti­ons­jahr 1923. Eine Gesell­schaft in mora­li­scher Auf­lö­sung. Eine gan­ze Gene­ra­ti­on hat auf bit­te­re Wei­se gelernt zu über­le­ben – aber nicht, sich im Leben zurecht­zu­fin­den. Wie Lud­wig, der im Krieg wie so vie­le ande­re sei­ne Jugend ver­lor und nicht weiß, wo er hin­ge­hört.“ (kiwi-verlag)Meine ers­te Roman­be­ar­bei­tung und Nicht-Komö­die, wobei Remar­que viel und guten Humor beweist. Den­no­ch ist es die Ver­lo­ren­heit und das Nicht-Zurecht­kom­men mit der Lie­be und dem Lauf der Welt, was die­se Geschich­te für mich so ein­dring­li­ch macht. Und eine der außer­ge­wöhn­lichs­ten Lie­bes­ge­schich­ten, die ich bis­her las. Zu Unrecht so unbe­kannt.
Das Stück kam am 31.1.15 in der Regie von Mar­co Stor­man am Thea­ter Osna­brück zur Pre­mie­re.
Die Rech­te lie­gen beim Rowohlt-Ver­lag.

 

F A N T A S I O

Komi­sche Oper in 3 Akten (1870)Libretto von Paul de Mus­set nach Alfred de Mus­sets gleich­na­mi­gem Lese­dra­ma (Revue des deux Mon­des 1834)Uraufführung 18. Janu­ar 1872 an der Opé­ra comi­que.
Deut­sche Fas­sung von Cars­ten Gol­be­ck.
Die­ses spä­te Werk Offen­bachs wird sicher­li­ch eine Neu­ent­de­ckung erle­ben. Ähn­li­ch wie beim „schwar­zen Obe­lis­ken“ wun­dert man sich, dass die­ses Werk bis­her nicht bekann­ter ist. Eine poe­ti­sch-poli­ti­sche Komö­die um einen Stu­den­ten, der sich als Narr ver­klei­det, um sei­ner ange­be­te­ten Prin­zes­sin (es spielt im König­reich Bay­ern!) nahe zu sein. Um sie vor ihrer Zwangs­ehe zu bewah­ren, ris­kiert er sein eige­nes Leben und ver­hin­dert schließ­li­ch auch noch einen dro­hen­den Krieg. Ein Lob­lied auf die Phan­ta­sie und die geis­ti­ge Frei­heit. Musi­ka­li­sch mit wun­der­schö­nen Ari­en und Cou­plets aus­ge­stat­tet, sah ich die Haupt­ar­beit dar­in, zeit­lo­se sprach­li­che Bil­der zu fin­den und den bei­den Erschaf­fern eine Spra­che zu geben.
In der Regie von Bernd Mottl hat­te Fan­ta­sio am 13.12.14 Pre­mie­re am Badi­schen Staats­thea­ter Karls­ru­he.

 

D A S  K U N S T S E I D E N E   M Ä D C H E N

teaser_kunstseidenChan­son-Musi­cal nach dem gleich­na­mi­gen Roman von Irm­gard Keun.
Musik von Rai­ner Biel­feldt.
Buch und Gesangs­tex­te von Cars­ten Gol­be­ck.
“Ein durch und durch ori­gi­nel­les Buch, das den Leser unwi­der­steh­li­ch in sei­nen Wir­bel von tol­ler Lau­ne, tie­f­em Gefühl und tra­gi­scher und komi­scher Ver­stri­ckung zieht.”, erkann­te ein­st Kurt Tucholsky.Deutschland 1931. Doris ist 18 und beschließt, dem tris­ten All­tag im klein­bür­ger­li­chen Milieu ihrer Hei­mat zu ent­kom­men. So stürzt sie sich kom­pro­miss­los in das pul­sie­ren­de Leben Ber­lins. Aber der glit­zernd-bun­ten Welt ste­hen Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit und Kri­mi­na­li­tät gegen­über. Ihre Affä­ren mit Män­nern aus bes­se­ren Krei­sen sind kurz­le­big, die erträum­te Film­kar­rie­re bleibt Illu­si­on. Immer wei­ter sinkt sie hin­ab, doch ihr unbe­irr­ba­rer Traum bleibt: Sie will ein “Glanz” sein. Na? Klingt das wirk­li­ch nur nach den Drei­ßi­gern? In mei­ner Bear­bei­tung habe ich das Augen­merk dar­auf gelegt, eine heu­ti­ge Prot­ago­nis­tin her­aus zu fil­tern, eine, die durch ihre (Bildungs-)Armut kei­ne Chan­ce auf eine Kar­rie­re hat. Und so sitzt Doris vor einem Caba­ret mit Stras­sen­ca­fé und war­tet auf ihr Vor­sin­gen, als letz­te Mög­lich­keit, zu Geld zu kom­men. Als auch das nicht klappt, und über­haupt es auch mit der Lie­be so gar nicht geklappt hat, zieht sie wei­ter, als ein­zi­ges Gepäck­stück die Hoff­nung, „ein Glanz“ zu wer­den.
Die Rech­te lie­gen bei Felix Bloch Erben. Der Abend läuft seit Herbst 2014 im Foy­er des Renais­sance-Thea­ters, Ber­lin.

Mit Anto­nia Bill als Doris und Rai­ner Biel­feldt am Kla­vier
Regie: Cars­ten Gol­be­ck
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W I E   E S   E U C H   G E F Ä L L T

teaser_wieeseuchNach Wil­liam Shake­speare.
Rosa­lind liebt Orlan­do, muss aber flie­hen. Orlan­do liebt Rosa­lind, flieht eben­falls und fin­det aber Gany­med, der die Liebste für ihn mimen will und irgend­et­was mit Rosa­lind zu tun zu haben scheint… Die­sen Gany­med aber liebt Phö­be, die wie­der­um von Sil­vi­us ver­göt­tert wird. Irgend­wann erliegt auch Celia der Wir­kung des Wald­le­bens… Umrahmt wer­den die Lie­bes­aben­teu­rer von Aus­stei­gern und Umstei­gern, Sinn­su­chern, Nar­ren und sol­chen, die es noch wer­den wol­len.
Im Ori­gi­nal für mich unin­ter­es­sant auf einer Büh­ne zu sehen, ent­deck­ten wir im Vor­feld immer mehr Spiel­plät­ze, um die­sem eigen­tüm­li­chen Spiel ohne über­ra­schen­de Schluss­poin­te, dafür aber mit wirk­li­ch aben­teu­er­li­chen Cha­rak­te­ren, eine neue Far­be zu geben. Mit einer männ­li­chen Celia besetzt und zwei kom­plett neu­en Nar­ren­fi­gu­ren, konn­ten wir die­se schwie­ri­ge und poe­ti­sche Kon­struk­ti­on in 100 hit­zi­ge Minu­ten ver­wan­deln. Ich gebe zu, etwas auf Kos­ten der Poe­sie, aber Open-Air soll­te eben auch bei zehn Grad und Nie­sel­re­gen noch unter­hal­ten kön­nen.
In der Regie von Sarah Kohrs eröff­ne­te das Mon­bi­jou­thea­ter mit die­ser poin­tier­ten Fas­sung und einem tol­len Ensem­ble die Som­mer­spiel­zeit 14.
Die Rech­te lie­gen bei Felix Bloch Erben.

Pres­se
Shake­speare als kunst­voll-tur­bu­len­tes Volks­thea­ter.  Sieht man so oft nicht, auch nicht im mil­lio­nen­schwer sub­ven­tio­nier­ten Haupt­stadt-Staats­thea­ter­be­trieb, (…) Das „Mon­bi“ also ganz auf der (gewohn­ten) Höhe sei­ner fei­nen, fein saf­ti­gen, fein geist­rei­chen Kunst. Bra­vo! Hin­ge­hen! Ein herr­li­ch zau­be­ri­scher Abend.
Blog Freie Volks­büh­ne Ber­lin e.V. von Rein­hard Wen­gie­rek  

Ein tur­bu­len­ter Open-Air-Spaß mit schrul­li­gen Figu­ren und gro­ßen Gefüh­len und einem tol­len spiel­freu­di­gen Ensem­ble. Inhalt­li­ch modern ver­schlankt und ent­rüm­pelt von Cars­ten Gol­be­ck.
Büh­nen­check Ber­li­ner Mor­gen­post – boro 

Poin­ten­ge­spick­te 90 Minu­ten.
neu­es deutsch­land

O B E N   B L E I B E N !

Oben bleiben!Noch 80 Minu­ten bis zur Pre­mie­re des 2-Per­so­nen-Stücks Die Über­le­ben­de der Tita­nic. Nach über 20 Jah­ren ist es die ers­te Thea­ter­pre­mie­re der erfolg­rei­chen Seri­en­dar­stel­le­rin Vera Lan­dis. Doch ihr Büh­nen­part­ner und Ex-Mann erscheint nicht. Dafür sitzt da das Publi­kum – viel zu früh und auf der fal­schen Sei­te. Aber es lernt eine Frau ken­nen, die nicht umhin kann, mit den letz­ten Jahr­zehn­ten abzu­rech­nen. Und zwar mit allem: ihrer Fern­seh­kar­rie­re, ihrer Ehe, ihrem Beruf und den Idea­len, die sie damals noch hat­te, vor dem Mau­er­fall. Oder waren es nicht eher Georgs Idea­le, dem Revo­lu­tio­när und Auto­ren von “Die Über­le­ben­de der Tita­nic”? Eben dem Georg, der sie mit der Wen­de sit­zen ließ und mit dem Stoff nach Hol­ly­wood getürmt ist. Denn die Pre­mie­re fiel wegen des Mau­er­falls ins Was­ser, und Georg war weg – bis heu­te. Noch ein­mal wird Vera Lan­dis die Pre­mie­re nicht aus­fal­len lassen.Also macht die lebens­er­prob­te Self­made­frau das, was sie ihr gan­zes Leben gemacht hat: alles! –
um oben zu blei­ben. ‚Oben blei­ben!’ ist ein tem­po­rei­cher Mono­log auf der Grat­wan­de­rung zwi­schen den Illu­sio­nen des eige­nen Erfolgs und der har­ten Rea­li­tät, die erbar­mungs­los ein­bricht. Vera Lan­dis spricht stell­ver­tre­tend für die Gene­ra­ti­on, die noch alles hat­te und jetzt merkt, dass das Sys­tem, das sie selbst gefüt­tert hat, beginnt, sie auf­zu­fres­sen. Der Unter­gang der Tita­nic steht als Hin­ter­grund für ein sich gegen den Men­schen rich­ten­des Gesell­schafts­sys­tem, vor dem eine Frau um ihre Wür­de, ihren Platz und eine Per­spek­ti­ve kämpft.
Die Urauf­füh­rung fand am 17.09.2013 unter der Regie von Kat­ja Wolff in den Kam­mer­spie­len Ham­burg mit Gerit Kling statt.
Die Rech­te lie­gen bei dem Ver­lag Felix Bloch Erben.
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Pres­se
Cars­ten Gol­becks Text ist packend und poin­ten­reich, treff­si­cher, aktu­ell und frech. Die Kling (dem Zeit­geist entspre­chend einem brei­ten TV-Publi­kum eher aus der Ham­bur­ger Serie „Not­ruf Hafen­kante“ als Ärz­tin bekannt) erweist sich auf der Büh­ne – ihrer künst­le­ri­schen Her­kunft gemäß – als eben­so quali­fi­zierte wie rampen­be­wusste Darstel­lerin für Gol­becks Mono­log, flan­kiert von Kat­ja Wolffs origi­nellen Regie­ein­fäl­len. Gerit Kling zele­briert im Rah­men die­ser Urauf­füh­rung Gol­becks Tex­tur so unge­mein sou­ve­r­än und nuan­cen­reich, dass sie ihre Premie­ren­zu­schauer gera­dezu über­rennt. So wird die Bio­gra­fie ihrer Frau­en­figur, lei­den­schaft­li­ch-thea­tra­li­sch darge­boten, bei­na­he zum Mythos: selt­sam, persön­lich, innig, ein Men­sch, der jäh den Rah­men sei­ner abge­steckten Exis­tenz sprengt. Groß­ar­tig!
Hans-Peter Kurr, Godot – Das Ham­bur­ger Thea­ter­ma­ga­zin, 9.13

Solo für eine komi­sche Schau­spie­le­rin.
Gerit Kling bril­liert in “Oben blei­ben!”
Wenn man ganz allei­ne auf der Büh­ne steht, ist Komik beson­ders schwer. Aber Gerit Kling macht das in ihrem Mono­log “Oben blei­ben!”, der am Diens­tag in den Kam­mer­spie­len Pre­mie­re hat­te, bra­vou­rös. Frech ist sie, gewandt, nur sel­ten gibt sie dem Affen zu viel Zucker. Sie gibt die Schau­spie­le­rin Vera Lan­dis (Buch: Cars­ten Gol­be­ck), die kurz vor der Pre­mie­re des Stücks “Die Über­le­ben­de der Tita­nic” auf die Hin­ter­büh­ne eines Thea­ters gerät und sich dort mit grie­chi­schem Berg­tee und jeder Men­ge Glücks­pil­len bei Lau­ne hält. Quick­le­ben­dig und mit per­fek­tem Timing zieht sie Bilanz über eine ver­säum­te Thea­ter­kar­rie­re und ihre offen­bar im Nebel getrof­fe­ne Part­ner­wahl. Gerit Kling buhlt und bib­bert, lacht und meckert, träumt und ist trau­rig. Sie kann’s. Sie gestal­tet ihre Rol­le bra­vou­rös. Das Publi­kum klatsch­te am Ende lan­ge und begeis­tert. Die Welt, 19.9.13

Aus einem Schau­spie­le­rin­nen­le­ben
Im Ein-Per­so­nen-Stück “Oben blei­ben!” über­zeugt Gerit Kling mit Bon­mots und glän­zen­dem Timing an den Ham­bur­ger Kam­mer­spie­len
Cars­ten Gol­be­ck hat ihr dazu einen wie ange­gos­sen pas­sen­den, per­sön­li­chen Text geschrie­ben, vol­ler Bon­mots und kri­ti­scher Weis­hei­ten. Da sin­niert sie über die vier Pha­sen, die eine Schau­spie­le­rin durch­läuft, und ent­deckt, “das ist doch kein Leben für ein ehr­gei­zi­ges Mäd­chen”. In Pha­se eins spielt man unschul­di­ge Opfer: “Die Män­ner ver­füh­ren uns, wir müs­sen uns umbrin­gen”. In Pha­se zwei “dür­fen auch mal Män­ner an uns zu Grun­de gehen”. In Pha­se drei spielt man über­for­der­te Müt­ter, “und ab Novem­ber die böse Stief­mut­ter oder Hexe im Weih­nachts­mär­chen. Und wer nicht all­abend­li­ch im Ofen bren­nen will, kann nur auf eines hof­fen: Vom Fern­se­hen ent­deckt zu wer­den für eine Rol­le als Kom­mis­sa­rin.”

Spä­tes­tens hier bran­det der Applaus auf, denn Gerit Kling, seit 2007 bekannt als Ober­ärz­tin aus der ZDF-Serie “Not­ruf Hafen­kan­te”, erzählt von den Zumu­tun­gen eines Schau­spie­le­rin­nen­le­bens, das selbst ihr, der Erfolg­rei­chen, nur all­zu ver­traut ist. Kling spielt Vera Lan­dis, die kurz vor der Pre­mie­re des Stücks “Die Über­le­ben­de der Tita­nic” auf die Hin­ter­büh­ne eines Thea­ters gerät und sich dort mit grie­chi­schem Berg­tee und jeder Men­ge Glücks­pil­len bei Lau­ne hält. Quick­le­ben­dig und mit dem per­fek­ten Gefühl für Timing führt sie sorg­fäl­tig geheg­te Illu­sio­nen vor, zieht Bilanz über eine ver­säum­te Thea­ter­kar­rie­re, ihre offen­bar im Nebel getrof­fe­ne Part­ner­wahl und ihren Wil­len, oben zu blei­ben, wenn der gan­ze Damp­fer unter­geht. “Was ist das für eine Gesell­schaft, die lie­ber Mes­sies beim Haus­re­no­vie­ren zuschaut als Qua­li­täts­künst­lern?”, fragt sie und spricht uns alle an. Wenn viel­leicht auch nicht die­je­ni­gen, die gera­de im Thea­ter sit­zen.

Der Unter­gang der “Tita­nic” steht auch für den Unter­gang eines Gesell­schafts­sys­tems. Lan­dis stand vor ihrem gro­ßen Durch­bruch, als die Mau­er fiel, am 9. Novem­ber 1989. Statt ins Thea­ter rann­ten die Zuschau­er zur Gren­ze. Der Regis­seur, er trug die Haa­re, als hät­te er sie sich im Dun­keln selbst geschnit­ten, ver­schwand mit dem dra­ma­ti­schen Stoff nach Hol­ly­wood. Vera wird Ste­war­dess in einer TV-Serie, zieht Bilanz über Gerech­tig­keit in Ost und West, im Leben und über­haupt. Und dann soll eine Kati Schnitt, eine Eis­kunst­läu­fe­rin, ihre Rol­le in der Serie über­neh­men. Aber Vera lässt sich nicht unter­krie­gen. “Ich wer­de bis zum Ende mit­spie­len, auf­blü­hen und oben blei­ben”, auch wenn der gan­ze kapi­ta­lis­ti­sche Damp­fer sin­ken soll­te. Gerit Kling, die vie­le wohl nur aus dem Fern­se­hen ken­nen, beherrscht die Büh­ne vir­tuos. Sie buhlt und bib­bert, lacht und meckert, träumt und ist trau­rig. Sie kann’s. Sie inter­pre­tiert und gestal­tet ihre Rol­le. Das Publi­kum klatsch­te am Ende lan­ge und begeis­tert. Arm­gard See­gers, Ham­bur­ger Abend­blatt 19.9.13

 

A M P H I T R Y O N

Theater Hexenkessel - AmphitryonAmphi­try­on, Feld­herr der Stadt The­ben, ist fri­sch liiert mit der wun­der­schö­nen Alkmene,die dem höchs­ten Gott Jupi­ter der­ma­ßen den Kopf ver­dreht hat, dass er sich in der Gestalt ihres Gat­ten eine Nacht mit ihr erschleicht. Kaum hat er sich ver­ab­schie­det, kehrt der ech­te Amphi­try­on aus dem Krieg zurück. Es beginnt ein Ver­wirr­spiel, das nicht nur den bei­den, son­dern auch ihren bei­den Ange­stell­ten Sosi­as und des­sen Gat­tin Clea den Ver­stand und das Ehe­glück kos­tet, bevor der Betrug auf­ge­deckt wer­den kann.
Die­se Fas­sung, basie­rend auf Moliè­res Bear­bei­tung, hat­te unter der Regie von Sarah Kohrs am 4.6.2013 Pre­mie­re. Scha­de, dass es nur einen Som­mer lief — ich glau­be, ich habe kei­nen Abend so oft gese­hen wie die­sen. Gro­ßes Kino!
Die Rech­te lie­gen bei dem Ver­lag Felix Bloch Erben.
Sze­nen­fo­to: Car­sta Zim­mer­mann & Anja Pahl,
Foto: Bernd Schön­ber­ger
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Pres­se
Bes­ser geht’s nicht!
Ent­schei­dend für die Wir­kung ist die Text­fas­sung von Cars­ten Gol­be­ck. Er hat das gemacht, was schon Kleist gemacht hat: Er hat Moliè­res Vor­la­ge, auf die er sich beruft, unse­rer heu­ti­gen Spra­che ange­passt. Da wird also die Lust am Reim bedient, doch die Worte ent­stam­men ein­deu­tig dem Deut­sch unse­rer Zeit, wie auch die Offen­heit, in der Ero­tik und Sexua­li­tät zur Spra­che kom­men. Es ist, wie immer bei guten Komö­di­en: Mit Lachen wer­den Trau­er, Zorn, Ohn­macht ver­trie­ben. Und gelacht wer­den darf viel! Ich hat­te wirk­li­ch Trä­nen in den Augen, so habe ich gelacht – über Sprach­wit­ze, gro­tes­ke Kör­per­spra­che, dar­über, wie wirk­li­cher Wahn­sinn – Men­schen sol­len von ande­ren aus Hoch­mut und arro­gan­ter Albern­heit miss­braucht wer­den, sol­len sich als zweit­klas­sig füh­len -, wie wirk­li­cher Wahn­sinn durch rasan­te Komik ent­larvt wird. Die Insze­nie­rung über­trägt die Klas­se der Vor­la­ge klug auf die Büh­ne. (…) Hier gelingt’s mit intel­lek­tu­el­lem Niveau in der Spra­che und mit kra­chen­der Komik in den Aktio­nen. Das ist wun­der­bar. Alle haben ges­tern vom Pre­mie­ren­pu­bli­kum viel, viel Bei­fall und Bra­vo-Rufe bekom­men. Die­se Stück­ver­si­on in die­ser Auf­füh­rung hat das For­mat zum abso­lu­ten haupt­städ­ti­schen Thea­ter-Hit die­ses Jah­res zu wer­den!
Peter Claus, rbb kul­tur­ra­dio, 6. 6. 2013  zum gan­zen Arti­kel

Die moder­ni­sier­te Fas­sung von Cars­ten Gol­be­ck mit vie­len über­ra­schen­den Gags in der Regie von Sarah Kohrs begeis­tert durch leicht­fü­ßi­gen Humor, gna­den­lo­sen Slap­stick, geist­rei­che Anspie­lun­gen und die unge­brems­te Spiel­freu­de des Ensem­bles. Der Klas­si­ker strotzt nur so vor Leben­dig­keit und über­bor­den­dem Witz.
Ber­li­ner Mor­gen­post, 11.6.13

Amphi­try­on” wird hier mäch­tig vita­li­siert. Alles mit Hän­den, Füßen und viel Herz gespielt. Sehr erfri­schend!
Lars Gro­te, Mär­ki­sche All­ge­mei­ne, 14.6.13

Die gan­ze Insze­nie­rung ist ein ein­zi­ger gro­ßer Spaß.
Lea Strei­sand, TAZ, 19.6.13

Die Anspie­lun­gen pri­ckeln ganz heu­tig, das anti­ke The­ben erzit­tert unter den Lach­at­ta­cken, die das pfeil­schnel­le, poin­ten­si­che­re Spiel her­vor­ruft. Wie immer unterm Ster­nen­him­mel ist das Schau­spie­ler-Ensem­ble der Star – und lie­fert eine Traum­per­for­man­ce: Punkt­ge­n­au, hin­ter­sin­nig, pudel­lus­tig. Per­fek­te Sommer­unterhaltung also.
Gerd Hart­mann, zit­ty, Heft 13/13

Der Trup­pe gelingt es, die alte Geschich­te in die Gegen­wart zu rücken. Alle haben Spaß an dem, was sie da tun.
Eva Förs­ter, Mär­ki­sche Oder­zei­tung und Ora­ni­en­bur­ger Gene­ral­an­zei­ger, 7.6.13

 

R I T T E R  B L A U B A R T 

Ritter BlaubartOpe­ret­te in drei Akten von Jac­ques Offen­bach,
Libret­to von Hen­ri Mei­l­hac und Ludo­vic Halé­vy, Neu­fas­sung: Cars­ten Gol­be­ck.
Wie in ‚Orpheus in der Unter­welt’ stellt Offen­bach auch hier einen all­be­kann­ten Mythos auf den Kopf: Par­al­lel zum Rit­ter Blau­bart, der sei­ne Frau­en tötet, lässt der tyran­ni­sche König Bob­è­che alle Män­ner aus dem Weg räu­men, die er als Riva­len fürch­tet. So ste­hen am Ende sie­ben tot­ge­glaub­te Frau­en sie­ben tot­ge­glaub­ten Män­nern gegenüber.Und der König hat noch mehr auf dem Kerb­holz: Ehe­dem hat­te er sei­ne klei­ne Toch­ter zuguns­ten des nach­ge­bo­re­nen männ­li­chen Spros­ses ein­fach auf dem Fluss aus­ge­setzt, um sie nun, nach­dem sich der Sohn als Tau­ge­nichts ent­puppt, fei­er­li­ch zu einer Ehe aus Staats­rai­son heim­zu­ho­len. Doch Rit­ter Blau­bart, bekannt für sei­ne Lei­den­schaft fürs schö­ne Geschlecht wie für das Unglück sei­ner Gat­tin­nen, erhebt Anspruch auf die Schö­ne. Gegen die­se Hel­den­ka­ri­ka­tu­ren hilft nur geball­te Frau­en­power in der Figur der mannstol­len, par­don, sexu­ell akti­ven Bäue­rin Bou­lot­te, die Blau­barts nur ver­meint­li­ch tote Gat­tin­nen befreit und ihn selbst nach­hal­tig kalt stellt.
Tol­le Figu­ren, ech­te Ohr­wür­mer, mehr sie­he Pres­se. Pre­mie­re: 16.12.2011 Regie: Aron Stiehl.
Die Rech­te lie­gen bei Boo­sey & Haw­kes
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Pres­se
Wenn die Dorf­schlam­pe im Jung­frau­en­lot­to gewinnt und Blau­barts sechs­te Frau wird („Nie­mals war ein Wit­wer so / wie der Rit­ter Blau­bart froh“), wenn sich ein Blu­men­mäd­chen als Prin­zes­sin und ein Schä­fer als Prinz ent­pup­pen, dann kann nur Jac­ques Offen­bach am Werk gewe­sen sein, der Erfin­der und Meis­ter der Ope­ret­te. Dazu pas­sen der Hof­schran­zen­chor („Immer in den Hin­tern krie­chen, ohne dass sie Lun­te rie­chen“) und der herrsch­süch­ti­ge König Bob­è­che, Blau­barts män­ner­mor­den­des Pen­dant. Die Ope­ret­te bringt die Ver­hält­nis­se zum Tan­zen und treibt beim absur­den Hap­py-end die Opfer zu Paa­ren: Hei­ra­ten löst alle Pro­ble­me auf ein­mal: „Ist das Leben auch gemein, lasst mal fün­fe gra­de sein!“
Ope­ret­te wirk­li­ch lus­tig zu spie­len, ist eine hohe Kunst, und Regis­seur Aron Stiehl beherrscht sie. Im lie­be­vol­len Büh­nen­bild von Jür­gen Kir­ner kommt der schwar­ze Humor zur vol­len Ent­fal­tung. Da Offen­bach auf dem Zeit­geist schwamm wie der Kork auf dem Cham­pa­gner, muss die deut­sche Über­set­zung immer wie­der auf die Höhe der Zeit gebracht wer­den: das hat Cars­ten Gol­be­ck mit Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und Witz besorgt. Und Mar­kus Bie­rin­ger trägt den Spaß nun auch ins Orches­ter – die End­pro­ben las­sen auf eine pri­ckeln­de Pre­mie­re hof­fen. Ste­pha­nie Schä­fer als Bou­lot­te, Cars­ten Süß als Rit­ter Blau­bart: ein umwer­fend komi­sches Paar mit Char­me! Dazu noch vie­le groß­ar­ti­ge Sän­ger und ein ins Spie­len ver­lieb­ter Opern­chor. Da muss man ein­fach dabei sein.

Nach der Super­jung­frau der The­ra­peut
Das ist Ope­ret­te in absurd fre­cher Hoch­form. Gro­ßen Anteil dar­an hat Cars­ten Gol­becks rasan­te Text­neu­fas­sung, nah am Puls der Zeit, respekt­los und mit gro­ßem Wort­witz: „Blau­bart sucht Super­jung­frau!“, singt der Chor da event-kom­pa­ti­bel. Und nach­dem der Rit­ter von sei­nen sechs ganz und gar nicht toten Frau­en heim­ge­sucht wird, gelobt er poli­ti­sche Kor­rekt­heit: „Ich geh auch zum The­ra­peu­ten … ich werd‘ alles reflek­tie­ren.“ Das ist das Dop­pel­bö­di­ge an der G‘schicht‘: Beginnt man den Abend zu reflek­tie­ren, bleibt Unbe­ha­gen nicht aus. Die Oppor­tu­nis­ten, Spei­chel­le­cker und Selbst­dar­stel­ler schei­nen nicht aus­zu­ster­ben. Oder anders gesagt: Ihre Prä­senz in der Gegen­wart macht Offen­bachs Ope­ret­te reich­li­ch modern. Ihre Musik eben­so.
Alex­an­der Dick, Badi­sche Zei­tung, 22.12.2012

Der Geist des gro­ßen Spöt­ters
In Aron Stiehls bra­vou­rö­ser Insze­nie­rung erfuhr der Klas­si­ker eine aus­ge­spro­chen attrak­ti­ve, vom Pre­mie­ren­pu­bli­kum mit Ova­tio­nen auf­ge­nom­me­ne Auf­füh­rung … Für eine heu­ti­ge Auf­füh­rung spielt aller­dings auf jeden Fall die Auf­ga­be, die­se Gesell­schafts­sa­ti­re auf gegen­wär­ti­ge gesell­schaft­li­che Vor­gän­ge und Mus­ter zu über­tra­gen und even­tu­ell auf Per­sön­lich­kei­ten des öffent­li­chen Lebens. In Karls­ru­he fand sie eine über­zeu­gen­de Lösung. Der Text des in Ber­lin leben­den Autors, Regis­seurs und Dra­ma­tur­gen Cars­ten Gol­be­ck ist poin­tiert, wit­zig, flott, mit­un­ter frech und bezieht sich unmit­tel­bar auf den All­tag: eine güns­ti­ge Grund­la­ge. Aron Stiehl nutz­te sie beherzt. Das Spiel … ent­fal­te­te sich gelöst, beschwingt, tem­po­reich, ohne jeg­li­chen Leer­lauf. Es gab eine statt­li­che Zahl augen­zwin­kernd iro­ni­scher Gags.
Gabor Halasz, Die Rhein­pfalz, 20.12.2011

Ope­ret­te, Ope­ret­te!
„Rit­ter Blau­bart“ mag eini­ge Wahr­hei­ten über die Lie­be ent­hal­ten, nicht zuletzt aber steckt die­se Opé­ra-Bouf­fe vol­ler Anspie­lun­gen auf die Blen­der und Falsch­mün­zer in der Poli­tik. Inso­fern passt es, dass in der Karls­ru­her Pro­duk­ti­on mal Carl Theo­dor zu Gut­ten­berg, mal Sil­vio Ber­lus­co­ni erwähnt wird. Ohne­hin sind dort deut­li­che Akzen­te Trumpf – in Cars­ten Gol­becks stark heu­ti­ger Text­fas­sung eben­so wie im lust­voll phan­ta­sie­vol­len Büh­nen­bild von Jür­gen Kir­ner, in den punkt­ge­n­au über­zo­ge­nen Kos­tü­men von Fran­zis­ka Jacob­sen (die wie bei Neu­rei­chen immer ein gewis­ses Zuviel haben) oder in Ste­fan Woin­kes Licht­re­gie, die weder an Far­ben noch an Fehl­far­ben spart, damit alles noch dra­ma­ti­scher, noch glü­hen­der, noch kit­schi­ger wirkt. Über­trei­bung ist ange­sagt, spa­ßig statt spie­ßig.
Dabei gibt es köst­li­che musi­ka­li­sche Momen­te, etwa wenn der von Ulrich Wag­ner bes­tens vor­be­rei­te­te Chor das Auf­stiegs­re­zept der Hof­schran­zen zum bes­ten gibt („Immer in den Hin­tern krie­chen“). Klang­schön und stimm­si­cher mit wei­chem, aber kräf­ti­gem Ten­or singt Cars­ten Süss den Blau­bart, dem er auch dar­stel­le­ri­sch über­zeu­gen­de Kon­tur gibt – als macht­be­wuss­ten Macho mit leicht phi­lo­so­phi­schem Ein­schlag und der nöti­gen Por­ti­on Ver­wir­rung, als ihm Bou­lot­te erklärt, dass sie gar nicht die Jung­frau war, für die er sie hielt. Ste­fa­nie Schae­fer geht die­se Rol­le beherzt, wit­zig und einem far­bi­gen Mez­zo an, mit dem sie sich sou­ve­r­än zwi­schen ver­füh­re­ri­sch und ver­schüch­tert bewegt.
Badi­sche Neu­es­te Nach­rich­ten, 19.12.2011

Rit­ter Blau­bart“ in Karls­ru­he – über­mü­tig insze­niert von Aron Stiehl und Aus­stat­ter Jür­gen Kir­ner
In der Ope­ret­te „Rit­ter Blau­bart“ von Jaques Offen­bach schaut jeder, wo er bleibt, und da jeder an sich denkt, ist an alle gedacht. In Karls­ru­he hat Cars­ten Gol­be­ck den Text, ganz im Geist der Gat­tung Ope­ret­te, umge­dich­tet, und so man­che aktu­el­le Poin­te zün­det. – Sprit­zig und wit­zig, manch­mal auch sehr albern, nimmt die­ser „Rit­ter Blau­bart“ den gan­zen all­täg­li­chen Unter­hal­tungs­wahn­sinn auf die Schip­pe.
Badi­sches Tag­blatt, 19.12.2011