Lie­der / Chan­sons

Mit 21 ging ich für eini­ge Zeit nach Paris. Nicht nur wegen der Stadt, son­dern vor allem wegen der Musik. Kei­ne Kunst­form hat so tie­fen Ein­druck in mir hin­ter­las­sen, wie eini­ge der fran­zö­si­schen Lie­der (und deren Ver­fas­ser). Der­zeit schrei­be ich mit dem Sän­ger, Schau­spie­ler und Kom­po­nis­ten Vla­di­mir Kor­neev zusam­men Chan­sons, die er in sei­nem der­zei­ti­gen Pro­gramm LIE­BÈN singt. Hier sind eini­ge der Tex­te, die ich seit 2017 ver­fasst habe und die von Vla­di­mir ver­tont und gesun­gen wer­den.
Neben den Chan­sons ent­ste­hen immer wie­der Tex­te für diver­se Musik­thea­ter­stü­cke. Von Musi­cal über Ope­ret­te bis zu dem kunst­sei­de­nen Mäd­chen (Kom­po­si­ti­on: Rai­ner Biel­feldt), von dem hier auch ein paar Tex­te zu lesen sind.

Dein Lied

Wenn durchs Herz Erin­ne­rung zieht
fehl­st du mir und ab und zu
spie­le ich für mich dein Lied
denn jeder Ton davon bist du

Wun­der mich, nach all den Jah­ren
die die Zeit uns wei­ter treibt
wie kön­nen Klän­ge das bewah­ren
das was von uns übrig bleibt

Von den Trä­nen, von dem Lachen
von ver­las­sen bis ver­liebt
die­ses Lied weiß noch von Sachen
die’s schon lan­ge nicht mehr gibt

Heu­te soll’n sie auf­er­ste­hen
zu den Klän­gen der Musik
will dir dan­ken und geste­hen
was ich damals dir ver­schwieg

Wenn durchs Herz Erin­ne­rung zieht
fehl­st du mir und ab und zu
spie­le ich für mich dein Lied
denn jeder Ton dar­in bist du

Hör­st du zu, ich spiel’s für dich
und hal­te jetzt auf dem Akkord -
denk mir, du denk­st jetzt an mich
ganz egal von wel­chem Ort

Und dann seh­nen wir uns bei­de
nur für einen klein’ Moment
las­sen uns dann wei­ter­trei­ben
weil es son­st im Her­zen brennt

In Musik bleibt das gebun­den
was das Leben längst zer­streut
Lie­be die ein Lied gefun­den
bleibt dar­in für alle Zeit

Text Cars­ten Gol­be­ck
Musik Vla­di­mir Kor­neev

Herz

Mein Herz ist eine Höh­le
dort zieh ich dich hin­ein
die Lau­te mei­ner Keh­le
zer­schmel­zen dei­nen Stein

Aus Tie­fen dringt Gegrö­le
dann mach ich dich zu mei’m
im Echo alter Säle
dringt mein Schrei in dei’n

Und unter dem Gestöh­ne
das aus der Höh­le dringt
Geju­bel und Getö­ne
das in die Son­ne singt

zer­rei­ßen wir die Fel­le
der Zivi­li­sa­ti­on
ich küss dein Flei­sch das hel­le
in dem dein Leben wohnt

zer­legt bis in die Glie­der
mein Dampf küsst dein Gesicht
erken­nen wir uns wie­der
ohne die Außen­schicht

wir sind vor jeder Spra­che
ein Laut durch­zuckt das Licht
im Schat­ten einer Bra­che
laut­mal ich dein Gesicht

Im Dun­kel mei­ner Höh­le
hast du mein Herz ver­spei­st
im Schwei­ße mei­ner See­le
hielt ich es gut geeist

lass kra­chend es dir mun­den
auch deins pul­st mir im Bauch
o reiß mir auf die Wun­den
und leg dich mir dar­auf

Text Cars­ten Gol­be­ck
Musik Vla­di­mir Kor­neev

Wenn ich füh­le

Ich mag die Ein­sam­keit der Nacht
der schwar­ze Him­mel, wol­ken­voll
der Regen fällt für mich in Moll
und singt vom Glück, das trau­rig macht

Ich weiß, nicht jedem geht es so
Ich bin erst glück­li­ch wenn ich wein’
genieß mein Glück ganz gern allein
mich macht das Trau­rigs­ein so froh

Ich mag die Lie­be wenn sie geht
und dich, weil du mich bald ver­lässt
ich mag die Lee­re nach dem Fest
ich mag den Wind, der uns ver­weht

Was ich auch sing klingt nach Chan­son
denn jeder Schla­ger, jeder Ton
wird zu Gefühl am Mikro­phon
und wenn ich fühl, gibt’s kein par­don!
aaaaaaaahhhhhh

Ich mag das Herbst­laub wenn es fällt
durch einen men­schen­lee­ren Ort
trei­ben die Feuilles, alle mor­tes
und in dem Laub erstirbt die Welt

Ich mag wenn nachts der Lärm ver­klingt
ein lau­er Wind Later­nen wiegt
aus einem Fens­ter klingt Musik
ich mag die Gei­ge wenn sie singt

Komm sing mir ein Zigeu­ner­lied
ich mag es, wenn man über­mannt
von einem Klang, so alt­be­kannt
ganz über­wäl­tigt nie­der­kniet

Was ich auch sing klingt nach Chan­son
denn jeder Schla­ger, jeder Ton
wird zu Gefühl am Mikro­phon
und wenn ich fühl, gibt’s kein par­don!
aaaaaaaahhhhhh

Ich denk an dich, der du mich quälst
du endest hier als weitrer Vers
ich weiß es klingt so kon­tro­vers
ich mag es, dass du mich nicht wähl­st

Komm spiel mir was du will­st, nur spiel
spiel auf mir, spiel mit Gefühl
mach’s mir in Dur, mach’s mir in Moll
komm, mach mich fer­tig, mach mich voll

Ich mag, dass du mich bald ver­lässt
Ich mag die Lie­be wenn sie geht
ich mag den Wind, weil er ver­weht
ich mag die Stil­le nach dem Fest

der Regen fällt für mich in Moll
und singt vom Glück, das trau­rig macht
singt durch die Ein­sam­keit der Nacht
mein Herz ist voll, ist voll, ist voll

Was ich auch sing klingt nach Chan­son
denn jeder Schla­ger, jeder Ton
wird zu Gefühl am Mikro­phon
und wenn ich fühl, gibt’s kein par­don!
kein par­don
kein par­don

Text Cars­ten Gol­be­ck

Musik Vla­di­mir Kor­neev

5. Lied der Kur­se

So viel im Leben
Und grad in die­sen Zei­ten
is mir zu schwer
ums allei­ne zu kapier’n

Da hilft die Zei­tung
Denn auf den letz­ten Sei­ten
Stehn vie­le Kur­se
Um das Leben zu stu­di­ern

Da gibt es Kur­se
wo man lernt zu spre­chen
in frem­den Spra­chen
die man hier nicht spricht

Da gibt es Kur­se
bei Schwan­ger­schafts­er­bre­chen
Und es gibt Kur­se
Wie man Brü­che bricht

Da gibt’s den Kurs
Um Din­ge zu ver­kau­fen
Und ein Kurs hilft dir
Din­ge neu zu seh’n

Und hier der Kurs
Was erzäh­len Hun­de­hau­fen -
Du lern­st dein Haus­tier
Bes­ser zu versteh’n

Und dann der Kurs
Wie hört man auf zu rau­chen
Und da der Kurs
Wie ver­pflanz ich ein Organ

Und dann der Kurs
Wie wir weni­ger ver­brau­chen
Von den Res­sour­cen
Gespon­sert von der Bahn

Da gibt’s den Kurs
Um dich selbst zu über­le­ben
Und einen Kurs
Mit dem Tod auf du und du

Und einen Kurs
Wie wir übern Boden schwe­ben
Und einen Kurs:
Über Jesus in Peru

Ein and’rer Kurs
Übt Manie­ren beim dinie­ren
Und die­ser Kurs weiß
Wie man file­tiert

und ich find Kur­se
da lässt man sich mas­sie­ren
und gegen Auf­preis
wird man sti­mu­liert

Es gibt nen Kurs
Über Koch­küns­te der Kel­ten
Und ein Kurs klärt
ob man kriegt was man ver­dient

Gefolgt vom Kurs
über längst ver­sunk­ne Wel­ten
ein Kurs belehrt
Wie man Krüp­pel­kie­fern schient

Und noch ein Kurs
Lehrt uns auf Godot zu war­ten
Wenn er erscheint
Lehrt ein Kurs ihn zu ver­stehn

Ein and­rer Kurs
Liest die Zukunft aus den Kar­ten
Ein and­rer meint:
Lass Vergang’nes bes­ser geh’n

Und dann die Kur­se
Nur für Fort­ge­schrit­ten
dann lau­ter Kur­se
Wo man schrei­ten lernt

Und hier der Kurs
Wie küsst man mit den Drit­ten
Und einen Kurs
Wie man Alt­bau­ten ent­kernt

Und einen Kurs
Über Kur­se die sich loh­nen
Und einen Kurs
Falls die Kurs­wahl dich ver­wirrt

Und einen Kurs
Wie ver­dient man sich Mil­lio­nen
Und einen Kur­sus
Wird, wer nichts wird wirk­li­ch Wirt?

Und es gibt Kur­se über Bäu­me, Kur­se über Träu­me, Kur­se über Kurs­re­form
Und dann noch Kur­se übers bücken, irgend­was mit Rücken, Kur­se gibt’s das ist enorm
Und es gibt Kur­se übers Rodeln, Kur­se übers Jodeln, und was was man gstanzl nennt
Und schließ­li­ch Kur­se übers Lachen, und so Sachen machen, die man nur aus Indien kennt

Da gibt es Kur­se übers Kur­se grün­den
Kur­se übers Kur­se fin­den
Kur­se übers Kur­se suchen
Kur­se übers Kur­se buchen
Kur­se über Nixen und ein Kurs geht über nix!

Und nur mein Kurs
Der muss doch mal dabei sein
Ich weiß nicht wo
ich den noch suchen soll

Ich such den Kur­sus:
Wie lernt man Allein­s­ein
Wenn man möbliert wohnt–
Viel­leicht ist er schon voll

Cars­ten Gol­be­ck

 1. Lied vom kunst­sei­de­nen Mäd­chen

 

Bei mir ist da innen,
ein Fun­keln, tief drin­nen
in mir, es begann in der Nacht. Ich fühl­te mich anders.
Es schien mir beson­ders,
als wäre ein Stern auf­ge­wacht

So tief im Gedär­me
da ist so ne Wär­me,
da spür ich ganz drin­nen den Glanz. Der wan­dert nach außen.
Und bald ist er drau­ßen
Und dann, ja, dann glän­ze ich ganz!

Ola­la c’est ca.
Mo je suis comm ca.
Je suis Glanz, voi­là!
So ein Glanz wie im Kino
und mit­tags schon Vino,
und abends beim Scham­pus
kein Mann wo ich ran muss.
Ich will so sehr, von innen her,
denn wer Glanz hat, hat von allem mehr.
Bis­her schmeck­te das Leben nach Was­ser und Gries, doch mit Glanz schmeckt das alles wie Paris!

Wer glänzt tut gut duf­ten.
Wer’s nicht tut muss schuf­ten, muss anstän­dig sein mit Moral. Der Glanz brauch nur glän­zen, den Rest kann er schwän­zen, der Rest ist dem Rest doch egal.

Ola­la c’est ca.
Mo je suis comm ca.

Je suis Glanz, voi­là!
Von den vie­len Mill­jo­nen, die auch nir­gends woh­nen, bin ich Eta­blier­te
und werd Pro­mi­nier­te…

Pia­nist: Das Wort Pro­mi­nier­te gibt es nicht.

Doris: Von den vie­len Mill­jo­nen, die auch nir­gends woh­nen,
werd ich ne sol­ven­te,
durch Glanz Pro­mi­nen­te.

Ich will so sehr, von innen her,
denn wer Glanz hat, hat von allem mehr.
Denn bis­her war mein Leben zu mir meis­tens fies, doch mit Glanz wird das alles wie Paris!

Text Cars­ten Gol­be­ck

Musik Rai­ner Biel­feldt

2. ein lachen­des Wei­nen

und sah die­sen mann und so schön war er auch
sprach worte voll nähe und krib­beln im bauch
und sind dann zu ihm und sein zim­mer war arm
doch sei­ne haut schien zu mir hin — so ganz warm

ich wur­de ein lachen­des wei­nen,
weil nichts ihn ent­stellt
was war ich voll dank und ich seufz­te ins lei­nen
als drau­ßen der Tag sich erhellt –
und er mir gefällt

drum tat ich viel dank in die hän­de hin­ein
braucht weder betrun­ken noch for­men­blind sein
und log kei­ne stim­mung in sein schö­nes ohr
und inner­li­ch zog ich zu ihm – stellt ich mir vor

ich wur­de ein lachen­des wei­nen,
weil nichts ihn ent­stellt
was war ich voll dank und ich seufz­te ins lei­nen
als drau­ßen der Tag sich erhellt –
und er mir gefällt

und sah die­sen mann an und er völ­lig nackt
und immer noch schön da kam ich aus dem Takt
und küss­te ihn dank­bar und wollt ihn so sehr
am mor­gen dar­auf mus­st ich gehn- und sah ihn nie mehr

ich wur­de ein lachen­des wei­nen
bei dem schö­nen Mann
was war ich voll dank und wir seufz­ten ins Lei­nen
doch am nächs­ten Tag dacht ich dann:
er geht mich nichts an